Hogwarts Legacy

Getestetes System: Playstation 5
Weitere Systeme: -
Kategorie: Rollenspiel
VÖ: 2023
Entwicklungsstudio: Avalanche Software
Publisher: Warner Bros. Games
Alterseinstufung: 12+
   
Test von: Hermann
Version: (D)
Spracheinstellung: Deutsch


Beschreibung

An Harry Potter führt bei Büchern, Filmen und auch Videospielen kaum ein Weg vorbei. Selbst einige Jahre nach den Filmen, welche die Geschichte um eine Zauberschule und den berühmten Zauberschüler erzählten, ist das Thema immer noch präsent.

Während ältere Spiele sich meistens an den Filmen orientiert haben, spielt Hogwarts Legacy zwar in der Welt, erzählt aber eine komplett unabhängige Geschichte. Die Grundidee ist jedoch ähnlich. Ein junger Zauberer oder auch eine Zauberin, kommen an die Schule und erleben dort spannende Abenteurer und lösen viele Geheimnisse. Ein epischer Verschwörungsplot darf natürlich auch nicht fehlen.


Grafik ( 9 / 10 ):

Schon das Intro macht Lust auf mehr, die Landschaft Schottlands sieht sehr malerisch aus und glänzt auch mit vielen Details. Der Stil erinnert an Gemälde der Landschaftsmalerei mit der fast übertriebenen Farbigkeit und Lichtstimmung. Gerade mit einem guten HDR Bildschirm kommt das schön zur Geltung, auch wenn ab und zu kleine Fehler das Bild trüben. So kann es vorkommen, dass ein Gesicht hell erleuchtet ist, nur um eine kleine Kameradrehung später in Dunkelheit abzusaufen. Aber das passiert selten so stark, dass es stören würde.

Die PS5 Version bietet dabei verschiedenen Einstellungen, entweder viele Details und zusätzliches Raytracing, oder mehr Frames. Beim Spielen dürften die meisten da wenig Unterschiede sehen, selbst auf bester Qualität ist das Spiel beileibe nicht am Ruckeln.

Aber weg von den technischen Details. Spätestens wenn das berühmte Schloss im Bild auftaucht, sollten Harry Potter Fans mit wohligen Schauern zuckend, in Tränen ausbrechen. Wer die Filme kennt, wird sich sofort heimisch fühlen. Auch das innere der Anlage ist schön gestaltet und bietet einige lustige Details. Wirklich toll sind die Gemälde dargestellt, in denen immer etwas passiert.

Vom Aufbau ist das Ganze zwar zuerst sehr verwinkelt und verwirrend. Da aber die einzelnen Teile logisch zusammenhängen, kann sich ein Spieler mit halbwegs guter Orientierung, schnell zurechtfinden. Notfalls helfen Karte und eine Art Questmarker, die den Weg zuverlässig markiert.

Zusätzlich gibt es eine große Außenwelt voller Leben, Geheimnissen und Gegnern. Wer sich nicht auf die Hauptquests konzentriert, findet massenhaft Ablenkung. Neben dem kleinen Städtchen Hogsmeade finden sich einige kleinere Dörfer in der Welt.


Sound & Musik ( 7 / 10 ):

Die Gänge und Hallen des Internates sind nicht nur durch unzählige Schüler belebt, die sich nebenher unterhalten oder auch mal Blödsinn treiben. Zwar fallen nach längerem Spielen die Wiederholungen in den Gesprächen auf, aber auf dem Weg zur nächsten Quest, stört das nicht sehr. Sicherlich werden sich die wenigsten bei jedem Gespräch hinstellen und es komplett anhören. Und durch die Gesprächsfetzen wirkt das Internat weder tot oder steril, sondern wirklich wie ein von Jugendlichen bevölkertes Gebäude. Auch die zahlreichen Umgebungsgeräusche tragen gut bei.

Nicht so gut gelungen ist die Auswahl der deutschen Sprecher. Teilweise passen diese überhaupt nicht zu den Charakteren. Schon die Auswahl der Stimme des eigenen Spielercharakters, wird zur Wahl zwischen Pest und Cholera. Es ist schön, dass man die Stimmlage frei wählen kann, aber warum klingen alle Sprecher so unmotiviert und zugedröhnt.

Das wirkt auch in den Unterhaltungen oft unfreiwillig komisch, in einem Moment klingt der Sprecher todtraurig, weil etwas Schlimmes passiert ist. Im nächsten Satz ertönt dann eine fröhliche Aufforderung, dass es jetzt zur nächsten Mission geht. Teilweise wechseln Klang und Betonung von Satz zu Satz. Zusammen mit den typischen kindlichen Harry Potter Zauber- und Tierwesennamen, sind die Dialoge oft furchtbar anzuhören.


Singleplayer ( 7 / 10 ):

Und damit kommen wir zum größten Problem des Spiels. Wer mit der Welt nichts anfangen kann, wird schnell an den dämlichen Dialogen abprallen. Jede Person erzählt ausschweifend lange ihre Lebensdetails, auch wenn das nichts zur Story beiträgt. Gewürzt mit dem Hogwarts-Sprech wünscht man sich, diese überspringen zu können. Aber das geht leider nicht immer.

Auch an anderer Stelle zwingt das Spiel zur Geduld. Zaubertränke brauen geht nur einzeln, mit Wartezeit von bis zu zwei Minuten. Zwar kann man mehrer Trankstationen parallel betreiben, aber trotzdem muss jede einzeln bedient werden. Dazu müssen mehrere Aktionen am Controller ausgeführt werden. Mag realistisch sein, nervt aber irgendwann so stark, dass man Tränke lieber einkauft, anstatt selbst zu brauen. Womit dann zumindest das Einsammeln der Zutaten nicht mehr nötig ist.

Heiltränke sind sehr wichtig, da sie im Kampf benutzt werden können. Die restlichen Tränke funktionieren eher als Buffs oder Debuffs und sind nicht unbedingt nötig, helfen aber in späteren Kämpfen durchaus.

Auch das Verkaufen von gefundenen Kleidungsstücken oder Tierwesen dauert ewig. Auch hier muss jedes Teil einzeln, durch längeres Drücken einer Taste, verkauft werden. Neben dem notwendigen zusätzlichen Einkommen durch den Verkauf, schafft es auch wieder Platz im Inventar. Dieser geht gerade zu Anfang schnell aus.

Und diesen kann man immer brauchen, denn es gibt vieles einzusammeln und zu finden. Das ist ein schöner Aspekt des Spiels, in der ganzen Welt sind unzählige Geheimnisse verteilt, die der Spieler entdecken kann. Einige davon brauchen nur einen Revelio Zauber, der so eine Art Hexerblick darstellt und wichtige Gegenstände farblich hervorhebt. Andere Dinge sind hinter verschlossenen Türen versteckt, wofür der passende Schlossknackerzauber erst durch eine längere Nebenmission verdient werden muss.

Manches Mal sind richtige Rätsel zu lösen, um überhaupt in die Nähe der Truhen zu kommen. Diese können auch durchaus herausfordern.

In allen Fällen lohnt sich aber die Suche nach Kleidungsstücken, da diese den Hauptanteil an der Charakterentwicklung darstellen. Bessere Kleidung bedeutet mehr Gesundheit und bessere Angriff und Verteidigungswerte. Damit wäre der Rollenspielanteil reveliodiert, oder wie man das vielleicht in Hogwarts sagen würde.

Der zweite große Faktor sind die Zaubersprüche. Im Verlauf der Haupthandlung oder durch Nebenmissionen lassen sich neue und mächtigere Sprüche lernen. Einige davon helfen beim Fortschritt in den Missionen, da bestimme Fähigkeiten zum Vorankommen benötigt werden. Beispiele dafür sind Manipulationszauber, mit denen sich Kisten verschieben lassen, um an höhere Positionen zu kommen. Oder das freiräumen von blockierten Durchgängen mithilfe einer Art Stoßzauber. Jedi-style sozusagen.

Aber auch in den Kämpfen sind diese hilfreich. Gegner erst wegzustoßen um ihre Schutzzauber aufzubrechen und sie danach mit Feuer, Eis und anderen Schadenszauber zu belegen. Die richtigen Kombinationen, je nach Gegnertyp, sind deutlich schneller wie einfache Angriffe. Gegen Bossgegner, ist es dann auch absolut nötig, diese gezielt einzusetzen.

Informationen über die verschiedenen Gegnertypen und ihre Schwachstellen gibt es in den Notizen, welche automatisch im Laufe des Spieles im Zauberbuch angelegt werden. Wer sich die Mühe machen will, kann jederzeit seine Zaubersprüche neu sortieren, um sich auf die Gegner anzupassen. Das ist aber nicht unbedingt nötig, da die Kämpfe zwar oft durch die Anzahl an Gegnern konfus, aber meistens relativ einfach sind. Wichtig ist nur, genug Heiltränke dabeizuhaben.

Wer mit Erkundung und Erforschung noch nicht ausgelastet ist, findet im Spiel noch unzählige weitere Beschäftigungen.

So können Tierwesen gesammelt werden, um diese im Gehege zu pflegen und zu vermehren. Dazu müssen diese gefüttert und gestreichelt werden. Nur glückliche Tierwesen spenden Ressourcen, die für das Verbessern von Kleidungstücken benutzt werden können. Und damit die Tierchen es gut haben, gibt es noch viele Gegenstände zu verdienen, um damit die Gehege aufzuhübschen. Wer will seinen kleinen komisch benannten Freunden die Spielstation oder die Sitzbank vor der Rosenhecke vorenthalten.

Und verkaufen kann man die Brut auch noch, das gewonnene Geld kann dann in andere Dinge investiert werden. Vielleicht in einen neuen Besen?

Das berühmte Quidditch kann zwar nicht gespielt werden, trotzdem ist der Flug auf dem Besen ein wichtiger Teil des Spiels. Ganz profan verkürzt er die Reisezeit in der Spielwelt. Anstatt sich zu Fuß aufzumachen, fliegt der angehende Zauberer flugs mit dem Besen zum Ziel. Oder es werden die Teleports benutzt, welche mit Flohpulver funktionieren. Welches aber unbegrenzt zur Verfügung steht, sobald die Zielstation einmal entdeckt wurde.

Wem der Besenflug Spaß macht, kann auf verschiedenen Rennstrecken um den Highscore fliegen. Und sich dadurch Verbesserung für den Besen in einer kleinen Questreihe verdienen.

Leider ist das ein Teil des Spiels, der sehr wenig Spaß macht, da die Steuerung beim Fliegen eine Katastrophe ist. Anstatt Hoch/Runter und Links/Rechts auf einen der beiden Analogsticks zu legen, wurde dies aufgeteilt. Das Ergebnis ist, dass der linke Stick für die Rechts/Links Drehung genutzt wird, während der Rechte Hoch/Runter steuert und gleichzeitig für die Kamera benutzt wird. Somit müssen beide Sticks gleichzeitig betätigt werden, um den Besen zu steuern. Dabei darf man aber nicht zu wild die Kamerabewegung betätigen, ansonsten macht der Besen unmotivierte U-Turns.

Nach einiger Zeit kann man sich daran gewöhnen, aber Spaß macht das nicht. Es ist auch unverständlich, warum sich nicht an anderen Spielen orientiert wurde. Immerhin gibt es gute und funktionierende Standards.

Aber genug gemeckert, Hogwarts Legacy bietet auch viele schöne Dingen. Da sind vor allem die zahlreichen Nebenquests, welche kleine Geschichten aus der Spielwelt erzählen. Selten gibt es generische Sammel- oder „töte X Gegner“ Aufgaben. Die unzähligen Geheimnisse und kleinen Rätsel wurden auch schon genannt.

Aber vor allem die Hauptgeschichte ist gut erzählt und führt durch das Spiel, ohne den Spieler offensichtlich zu gängeln. Wenn die Hauptquest erst weitergeht, sobald ein nötiger Zauber erlernt wurde, ist das durchaus logisch. Dabei sind die verschiedenen Lehrer und deren Unterricht gut eingebunden. Das jeder Lehrer oft kleine Besorgungen verlangt, bis er das nötige Wissen herausgibt, ist in der Geschichte durchaus nachvollziehbar erklärt. Immerhin ist die Spielfigur ein besonderer Schüler an einem Internat für magisch begabte Kinder.


Multiplayer ( - / 10 ):

Nicht vorhanden


Fazit:

Wer mit dem ganzen Harry Potter Universum nichts anfangen kann, wird es schwer im Spiel haben. Viele Dialoge, die man je nach Vorliebe als grenzdebil oder als nahe an der Vorlage auffassen kann, scheiden den Fan vom Verächter. Wer jedoch von Knuddelmuff Wesen oder Bombarda Zaubern abgeschreckt wird, wird sich auch am langatmigen Storytelling stören. Dabei ist das Spiel in vieler Hinsicht hervorragend gelungen, langweilt nicht Potter-affine Spieler aber relativ schnell.


Wertungsübersicht:

System: PS5
Grafik: ( 9 / 10 )
Sound: ( 7 / 10 )
Singleplayer: ( 7 / 10 )
Multiplayer: ( - / 10 )
Spieldauer: Durchgespielt
 

Gameplay Video