Endlich wieder ein Indiana Jones Spiel und dann auch noch von Machine Games die schon die Wolfenstein Marke so toll wiederbelebt haben. Das kann ja nur gut werden, oder? Also den Fedora aufgesetzt, die Peitsche eingepackt und auf ins Abenteuer.
Ohne große Videosequenz wird der Spieler gleich in das Spiel geworfen. Die Kamera zeigt auf einen Berg in der Ferne, inmitten eines riesigen Dschungels. Indy, der nur von hinten zu sehen ist, läuft von der Seite in den Bildausschnitt hinein und schaut in die Landschaft.
In der folgenden Szene sehen wir ihn von vorne. Während er sich den Schweiß von der Stirn wischt, tauchen zwischen den Blättern weitere Personen auf. Wer diese Szene nicht erkennt, ist vielleicht im falschen Spiel. Auch wenn der Anfang eher zitiert, gibt er doch gleich die Stimmung für das gesamte Spiel wieder.
Zusammen mit drei ortsansässigen Trägern, welche alle nicht sehr vertrauenerweckend aussehen, geht es einen schmalen Pfad in ein Tal herunter. Indy wird dabei aus der Egoperspektive gesteuert, was am Anfang etwas ungewohnt wirkt.
Während der Trupp langsam den schmalen Pfad entlanggeht, fällt die schöne Lichtstimmung auf. Die wenigen Lichtungen im stark bewachsenen Dschungel sind in helles Licht getaucht. An vielen Stellen blitzen aber immer wieder einzelne Lichtstrahlen durch die sich im Wind wiegenden Baumkronen.
Wie dieses kurze Abenteuer ausgeht, sollte eigentlich jedem Indy Fan bekannt sein. Glücklicherweise war das ganze nur ein Traum und Indy erwacht in seinem Büro am Marshall College, anstatt von einer großen Steinkugel überrollt zu werden.
Auch in diesem Abschnitt kommt Atmosphäre auf, das Büro ist herrlich unaufgeräumt und voller skurriler historischer Objekte. Während Blitze die Nacht erhellen, folgt Indy einem Geräusch in die Ausstellung. Die einzelnen Räume sehen aber etwas steril aus und erinnern eher an die Vorgängergeneration, dafür sind die Exponate schön detailliert und es macht Spaß, die Bereiche zu erkunden.
Wer die Breitbildoption aktiviert hat, bekomme ein besonders kinoreifes Spektakel geliefert. Dabei wird das Bild in der Höhe von schwarzen Balken beschnitten, dafür gibt es in der Breite viel mehr Bildinhalt zu sehen. Gerade auf einem großen Fernseher kommt damit reinstes Kinofeeling auf. Zum Spielen ist aber der normale Bildmodus geeigneter, da die zusätzliche Höhe doch wichtiger für die Übersicht ist.
Innerhalb von Gebäuden wirkt die Spielwelt oft unbelebt und künstlich, da Personen immer an den gleichen Stellen bleiben und sich nicht frei in der Welt bewegen. Im Vatikan startet das Abenteuer in der Bibliothek, wo das besonders unangenehm auffällt. Die meisten Personen stehen nur doof rum oder machen höchstens kleine Bewegungen. An einer Stelle steht ein Priester auf einer Leiter und versucht, ein Buch zu greifen. Anscheinend hatte er ein sehr sündiges Leben, da er bis zur Unendlichkeit dazu verdammt ist diese Bewegungen auszuführen, ohne jemals sein Buch in die Hände zu bekommen.
In den Außenbereichen stört das nicht so sehr, da Wachen entweder Patrouille laufen oder vor ihrer Wachstube herumstehen. Und wer durch die weitläufigen Spielabschnitte läuft, wird auch nicht so genau prüfen ob der Priester immer noch auch der gleichen Parkbank sitzt. Ab diesem Zeitpunkt funktioniert dann auch die Illusion einer belebten Welt.
Die Spielabschnitte sind über die ganze Welt verteilt, Indy reist wie in den Filmen von einem Schauplatz zum nächsten. Für Abwechslung wird gesorgt, neben dem Vatikan geht es nach Gizeh zu den Pyramiden und später auf die Wasserstraßen im Dschungel Siams. Zwischendrin gibt es noch kleiner Schauplätze, die dann aber eher kleinen Schlauchleveln entsprechen.
Jeder der offenen Abschnitte besitzt dazu noch zahlreiche Grüfte, Grabmäler oder andere Unterbereiche, die im Laufe des Abenteuers zugänglich werden.
Die Grafikqualität ist dabei durchweg gut und sehr stimmungsvoll, auch wenn manche Elemente erst spät aufpoppen. Gerade in Siam tauchen Gräser oder Sträucher deutlich sichtbar aus dem Nichts auf, wenn Indy schnell unterwegs ist.
Die Leveldesigner haben sich aber immer sehr viel Mühe gegeben, nichts sieht wie eine billige Kulisse aus, sondern wirkt glaubwürdig und eines aufwendigen Indiana Jones Abenteuers würdig.
Am schönsten sind die Licht und Schatteneffekte, die gerade in den Grüften viel zur Stimmung beitragen. Ist Indy dort unterwegs, flackert die Umgebung im Schein seiner Fackel, während die Dunkelheit die Ecken verbirgt.
Ein nettes Extra fällt vor allem in Gizeh auf, wenn Indy zwischen den Grabungsstätten unterwegs ist. Rennt er, sieht man bei passenden Sonnenstand seinen Schatten vor sich, der auch die eigene Bewegung widerspiegelt. Springt Indy von einer Erhöhung herunter, sieht er sogar seinen kompletten Schatten.
Und als letzter Punkt noch das wichtigste, alle Charaktere sehen aus wie in sie aus den Filmen bekannt sind. Harrison Ford, bzw. eine junge Version von ihm, ist zumindest in den kurzen Zwischensequenzen zu erkennen, wenn das Spiel die Egoperspektive verlässt. Aber auch Marcus Brody ist wieder mit dabei, auch wenn der Schauspieler leider schon lange verstorben ist.
Auch wenn die Egoperspektive und der Hersteller eher einen Shooter vermuten lassen, ist Indiana Jones und der große Kreis doch ein typischer Vertreter seiner Art. Wie in den Tomb Raider oder Uncharted Spielen, geht es vorrangig um das Erkunden von Grabmälern und Höhlen, wobei vor allem viel geschlichen und geklettert wird.
Die offenen Spielabschnitte können von Indy frei erkundet werden, wobei im Lufe des Abenteuers immer weitere Bereiche freigeschaltet werden. Hat Indy z.B. eine neue Gruft entdeckt und geöffnet, ist diese dann in Zukunft frei zugänglich. Um die Laufwege zu minimieren gibt es auch zahlreiche Abkürzungen freizuschalten und sogar eine Schnellreisefunktion.
Je nach Spielwelt stellt sich die Umgebung anders dar. Der Vatikan ist eher kompakt, durch die zahlreichen begehbaren Gebäude aber sehr verwinkelt. Gizeh ist dagegen sehr weitläufig und Indy ist viel zu Fuß unterwegs. In diesen Fällen ist die Schnellreisefunktion sehr hilfreich. Überall in der Welt stehen Wegweiser mit Richtungspfeilen herum, klickt Indy einen Ort darauf an, reist er automatisch dahin.
Die Wasserwege von Siam sind zwar relativ übersichtlich, allerdings kommt Indy nur mit dem Boot voran. Das macht das Erkunden etwas mühsamer, da das Boot nur an bestimmten Stellen herbeigerufen werden kann. Landet Indy abseits davon an einem der zahlreichen Wasserkanäle, kann er zwar schwimmend vorankommen. Das dauert dann aber sehr lange und ist nur für kurze Strecken sinnvoll.
Da die einzelnen Spielabschnitte von Gegnern bevölkert sind, bieten sich Indy mehrere Möglichkeiten voranzukommen. Zuallererst kann er schleichen, oft bieten sich zahlreiche Verstecke und Umwege, womit man die Soldaten umgehen kann. Ist das mal nicht möglich, hilft ein kleiner Schlag auf den Hinterkopf der faschistischen Soldaten. Herumliegende Gegenstände können aufgesammelt werden, und dem Gegner von hinten über den Scheitel gezogen werden. Die so ausgeschalteten Wachen trägt man dann am besten in ein dunkles Eck, um zu verhindern, dass eine Patrouille sie entdeckt.
In diesem Fall, oder wenn Indy bei seinen Aktionen gesehen wurde, wird Alarm ausgelöst und alle Wachen in der Nähe gehen zum Angriff über. Das führt zumindest zu Beginn zum schnellen Spielende. Für den Anfang ist das Schleichen also die beste Vorgehensweise.
Als erfahrener Raufbold und mit Peitsche ausgestattet, kann Indy es aber auch direkt mit Gegnern aufnehmen und sie in einem Boxkampf umhauen. Mithilfe der Peitsche kann er sie kurz betäuben oder später sogar entwaffnen.
Da er im Verlaufe des Spiels durch den Einsatz von Erfahrungspunkten sich Verbesserungen an Gesundheit und Ausdauer kaufen und auch neue Fähigkeiten dazulernen kann, wird diese Option im Weitern Spielverlauf deutlich interessanter.
Dann kann Indy es auch mit mehreren Gegnern aufnehmen oder einfach durch diese hindurchlaufen, um Zeit zu sparen. Versteckt er sich dann, ist die Chance dank dümmlicher KI recht hoch, dass die Gegner die Verfolgung einstellen.
Die dritte Option ist der Einsatz von Waffen, sei es der eigenen Pistole oder aufgesammelte Gewehre der Gegner. Das ist zwar sehr effektiv, allerdings alarmiert es so ziemlich jeden Soldaten in der Umgebung. Und gegen die schiere Masse ist dann doch oft nicht ausreichend Munition vorhanden.
Von daher ist dies eindeutig die uneffektivste Möglichkeit, auch weil das Nachladen mit Controller nur sehr umständlich ist. Aber bei der Steuerung krankt das Spiel generell an einigen Stellen und verwirrt den Spieler mit unlogischer Tastenbelegung. Meistens ist das nur ein kleiner Zeitverlust, bis die Aktion dann doch geklappt hat.
Will der Spieler aber eine Waffe im Nahkampf verwendet, muss diese erst per Tastendruck in diesen Modus geschaltet werden. Drückt der Spieler den falschen Knopf, wirft Indy die Waffe dem Gegner vor die Füße und erregt damit dessen Aufmerksamkeit. Oder noch schlimmer: es löst sich ein Schuss, und das halbe Lager wird alarmiert.
Zusätzlich nervt, dass man für manche Tätigkeiten mehrere Aktionen am Controller ausführen müssen. Um eine Tür zu öffnen, muss der Schlüssel per Digitalkreuz angewählt werden. Dann gilt es „X“ zu drücken und mit dem Analogstick noch eine Drehbewegung zu machen. Das nervt spätestens nach dem ersten Mal und könnte auch einfacher mit einem Tastendruck gelöst werden.
Auch hemmt es den Spielfluss, wenn Indy immer kurz innehält bis der Spieler mit dem Analogstick rumwackelt. Grade am Spielanfang als Indy in einem Tunnel die Spinnweben zur Seite schiebt, könnte das auch automatisch passieren. Die kurze Wartepause auf die Spieleraktion wirkt künstlich und stört den Spielfluss, anstatt die Stimmung zu fördern.
Allgemein funktioniert das System aber gut und motiviert durch die zahlreichen Verbesserungen im Spielverlauf. Dazu findet Indy kleine Ratgeber in der Spielwelt, teilweise an versteckten Orten, andere gibt es einfach gegen gefundenes, bzw. eher zusammengeklautes, Geld zu kaufen. Weitere sind Belohnungen für Missionen oder finden sich im Spielverlauf.
Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig und verbessern die Fähigkeiten wie in einem Rollenspiel immer weiter, wodurch Kämpfe einfacher werden oder Ausrüstung effektiver wird.
Deswegen lohnen sich auch die kleinen Nebenaufgaben, da sowohl Erfahrung, Geld und neue Fähigkeiten locken, um den weiteren Spielverlauf zu vereinfachen. Aber auch andere praktische Gegenstände lassen sich so finden. So kann Indy eine Uniform klauen und wird dann von den einfachen Soldaten nicht mehr erkannt. Zwar sind die höheren Dienstränge schlauer und werden auf ihn aufmerksam, trotzdem erleichter das die Erkundung von feindlichen Lagern deutlich.
Oft wird er dabei von Gina, einer Journalistin begleitet. Diese wird von Wachen normalerweise nicht entdeckt. Fliegt Indy aber auf, kämpft sie zu seiner Unterstützung mit. Sehr hilfreich ist sie dabei aber nicht.
Dafür unterstützt sie beim Vorankommen in der Hauptgeschichte. Genreüblich müssen vor allem in den Höhlen und Gräbern kleine Rätsel gelöst werden. Die Mischung geht von einfachen Schalterrätseln bis zu Logikpuzzles und sind sehr abwechslungsreich. An manchen Stellen kommt auch die Peitsche zum Einsatz und sogar der ein oder andere Bosskampf wartet auf den Spieler.
Das ist auch die Hauptbeschäftigung im Spiel. Indy muss durch das Auffinden von Hinweisen neue Bereiche freischalten, wobei er zum Vorankommen viele kleine Rätsel lösen muss.
Eine wichtige Hilfe ist dabei seine Kamera. Fotografiert er etwas Wichtiges, bekommt der Spieler eine hilfreiche Erklärung von Indy dazu. Durch die Kombination der Hinweise aus den Bildern und gefundenen Notizen ist es dann meistens nicht schwer, auf die Lösung zu kommen und einen versteckten Eingang freizulegen.
An manchen Stellen kommt die Spiellogik aber durcheinander. Wartet Gina aufgrund der Storyvorgaben an einer bestimmten Stelle, scheint das Dialogsystem das manchmal nicht zu bemerken. So redet Indy dann mit einer nicht anwesenden Gina und bekommt sogar Antwort.
An anderen Stellen wird es sogar ganz unlogisch, weil Charakter in die Szene teleportiert werden. Im Vatikan sitzt der befreundete Priester Antonio in seinem Büro. Sobald Indy jedoch eine bestimmte Geheimtür findet und öffnet, steht er plötzlich hinter ihm, als ob er die ganze Zeit dabei war.
Aber auch die Spielwelt muss sich manchmal der Logik beugen. An einer Stelle klettert Indy im Priesterkostüm ein Regenwasserrohr hoch, was von den umstehenden Arbeitern mit “Einen schönen Tag Pater” kommentiert wird. Als ob es völlig normal ist, dass die Priester eine Wand hochklettern, um in ihr Büro zu gelangen. Für einen besseren Spielablauf, ist das aber natürlich eine aktzeptable Lösung.
Wie in den Filmen kommt auch im Spiel der Humor nicht zu kurz, zum Slapstick wird es aber glücklicherweise nicht. Als Indy mit einer Schlange konfrontiert wird, sagt er nur “Ich bin … äh … eher der Hundetyp”. Auch an anderen Stelle gibt es ab und zu Seitenhiebe oder Zitate auf die Filme.
Nett sind manche Kleinigkeiten, die sich nur zufällig ergeben aber von den Entwicklern bedacht wurden. An vielen Stellen kann Indy von Plattformen über eine Seilrutsche abkürzen, auch das ein bekanntes Element aus Action Adventures. Erwischt er beim Rutschen aber einen Gegner und wirft diesen um, erkennen seine Kollegen Indys Verkleidung und schlagen Alarm. Als das zum ersten Mal passierte, sorgte es für eine witzige Überraschung. Und einen Neustart am letzten Checkpoint.
Glücklicherweise sind diese sehr fair gesetzt. Wer scheitert, muss nur einen kleinen Teil wiederholen. Meistens ist der Checkpoint bei Betreten des Raumes. Allerdings muss auf die automatischen Speicherpunkte geachtet werden, diese können etwas weiter zurückliegen. Wer das Spiel verlassen will, kann aber einfach ein Stück zurücklaufen und einen Save auslösen. Automatisch passiert das beim Beenden leider nicht.
Neben den Aufgaben gibt es noch unzählige Sammelgegenstände in der Welt verteilt. Das Erkunden lohnt sich also. Wer diese Aufgaben komplettieren will, finden in jedem Abschnitt Karten, die alle Sammelobjekte anzeigen. Entweder sind diese selbst in Geheimnissen oder Safes innerhalb der Spielwelt versteckt, oder lassen sich kaufen. Auch hier sind oft kleine Rätsel zu lösen, wie z.B. eine Safekombination aus Hinweisen zu rekonstruieren.
Das neue Indy Spiel startet nach dem tollen Anfang leider etwas zäh und wird vermutlich einige Spieler vergraulen. Wer sich aber durch die ersten 30 Minuten im Vatikan geprügelt hat und sich die ganzen Möglichkeiten eröffnen, will man nicht mehr aufhören. Zusätzlich verfällt man viel zu schnell dem Sammelwahn, um alle Geheimnisse im Spiel zu lüften.
Für alle Indy oder Lara Croft Fans, ein empfehlenswertes Spiel. Jedenfalls solange man sich von der gut umgesetzen, aber ungewöhnlichen Egoperspektive, nicht abschrecken lässt.
Für einen Archäologen verursacht Indy aber sehr viel Zerstörung. Egal ob es um einen uralten Sarg inklusive Skelett geht, oder gleich die ganze Gruft. Wo Indy abhaust, bleiben nur Trümmer übrig.